Mythen um den Orgasmus - Kennst du die Antworten?

Der Höhepunkt scheint weiterhin ein großes Geheimnis zu sein.

Es ranken sich Mythen und Volksweisheiten um den Orgasmus – hier möchte ich einige vorstellen und erklären. Viel Spaß beim Lesen ❤️

Mythos 1

Der vaginale Orgasmus ist der Beste!

Diese Idee stammt aus einem anderen Jahrhundert, man munkelt Frauen dürfen dies Sigmund Freud verdanken. Er hat damals propagiert, dass der vaginale Orgasmus der eigentlich “richtige erwachsene” Orgasmus wäre.

Der klitorale Orgasmus wäre ein kindliche Variante und würde nur von hysterischen Frauen erlebt. Früher galt die Hysterie als eine psychiatrische Diagnose und hierunter fiel alles mögliche an Symptomen von Gefühlsausbrüchen bis zu Gefühlsstörungen am Körper.

Nur circa 1/3 aller Frauen sind in der Lage einen vaginalen Orgasmus zu erleben, alle andere brauchen eine zusätzliche Stimulation. Wobei es sich hier streiten lässt, ob der vaginale Orgasmus nicht auch ein klitoraler ist.

Da die Klitoris deutlich größer ist als angenommen und die Schenkel durch die Penetration der Scheide mit stimuliert werden, kommt es dadurch auch zu einem Orgasmus. Denn die inneren Schenkel der Klitoris verlaufen innen am Scheideneingang entlang und schwellen während der Erregung an – ähnlich wie die Schwellkörper beim Penis.

Mythos 2

Männer haben immer einen Samenerguss beim Orgasmus!

Es wird angenommen, dass es bei jedem Orgasmus zu einer Ejakulation kommt. Das stimmt nicht. Der Orgasmus ist unabhängig vom Samenerguss, beides kann getrennt stattfinden. In den meisten Fällen läuft der Vorgang aber gleichzeitig ab und daher kommt diese Annahme.

Der Samenerguss entsteht durch eine Kontraktion von Muskeln und die Förderung des Samen durch die Samenleiter und Harnröhre. Der Orgasmus selber wird durch Nervenimpulse ausgelöst und es kommt dann zu einer Ausschüttung von Neurotransmittern, welche das “Glücksgefühl” vermittelt.

Hier spricht man über einen trockenen Orgasmus – dies kann zwei medizinische Ursachen haben:

Die retrograde Ejakulation, dies bedeutet, dass der Samen nicht nach “vorne” durch die Harnröhre abgegeben wird, sondern nach “hinten” in die Blase transportiert wird. Dies ist der Fall bei einigen neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, nach Unfällen mit Nervenschäden im Beckenbereich, Bandscheibenvorfälle, Operationen an der Prostata oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Hier kann es sein, dass nach der Masturbation oder dem Orgasmus beim Wasser lassen der Urin trübe ist, da dort jetzt Spermien drin sind.

Die totale Anejakulation, hierbei handelt es sich um überhaupt keinen Samenerguss, auch nicht retrograd in die Blase. Die Gründe hierfür können divers sein: von Medikamenten (Antidepressiva oder Antipsychotika), Verschluss der Wege nach Operationen unter anderem Prostatakrebsoperationen, da hier die Nerven vor Ort stark beschädigt sein können.

Bei beiden Fällen wird eine Abklärung beim Urologen empfohlen.

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Mythos 3

Männer können keinen Orgasmus vortäuschen

Das stimmt nicht und es gibt Männer, die dies tun.

Wie das geht?

Wenn zum Beispiel ein Kondom genutzt wird und es vorbei sein soll, wird es schnell und unauffällig entsorgt. Natürlich wird eine Zuckung oder ein Höhepunkt verbal vorgetäuscht – aber der Beweis des Samenergusses (der oft mit dem Orgasmus assoziiert wird – wie oben erklärt) bleibt aus. Es kommt selten jemand auf die Idee zu schauen, ob dort etwas drin ist.

Aber die eigentliche Frage ist, warum sollte man dies tun?

Gründe sind keine Lust auf Sex, man möchte den Partner|in nicht enttäuschen und ihm|ihr ein gutes Gefühl bereiten. Oft ist es aber auch aus einem Druck heraus, dass jede sexuelle Begegnung mit einem Orgasmus enden muss.

Hier kommen wir auch zum nächsten Mythos.

Mythos 4

Jeder Sex muss in einem Orgasmus enden, nur dann ist er GUT

Es gibt kein “muss” bei sexuellen Begegnungen, egal ob allein oder zu zweit. Nur circa jede dritte Frau kommt beim Sex zum Orgasmus – die Frage ist, muss man jedes mal kommen, damit Sex als “befriedigend” empfunden wird?

Sex ist Kopfsache – jedoch beobachte mal selber – bist du wirklich bei der Sache? Unser Körper reagiert auf jeden Impuls und jeden Gedanken. Wir sind leicht ablenkbar – nutze das und lass dich vom Jetzt während des Sexes ablenken, von den Berührungen, dem Gefühl, der Atmung des Anderen. Vielleicht hilft dir das bei der Sache zu bleiben.

Gut, dies beantwortet natürlich nicht den Mythos! Was ist denn guter Sex?

Wie definierst du ihn denn? Ist es ein Rein-Raus-Rein-Raus-Spiel? Eine intime Begegnung mit deinem Partner|in oder nur eine körperliche Aktivität, nach der du dich besser fühlst?

Unser größtes Sexualorgan ist unser Gehirn, wenn wir dieses aktivieren und stimulieren, die Begegnung mit unserem sexuellen Partner|in in den Fokus stellen, bewegt sich der Orgasmus nicht mehr in den Mittelpunkt, sondern der andere Mensch. Dann wird die Zeit zusammen, der Höhepunkt und der Orgasmus nur noch ein Bonus.

Weitere Informationen zum physiologischen Ablauf eines Orgasmus kannst du hier, in einem älteren Blogbeitrag, lesen.

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