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Der Blog über Kinderwunsch, Sexualität und Partnerschaft

(un)erfüllter Kinderwunsch - zu Gast im Podcast Sexologisch

Was tun, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt? Der Weg zur Kinderwunschklinik

 Für viele Menschen ist der unerfüllte Kinderwunsch eine Belastung. Manche Paare probieren jahrelang Kinder zu bekommen, ohne Erfolg. Und was passiert dann? Erst einmal müssen die folgenden Fragen geklärt werden:  

Wie wird man eigentlich schwanger? Was genau passiert im Körper?

Theoretisch braucht es dazu eine Eizelle und ein Sperma. Doch so einfach wie sich das vielleicht anhört, ist es gar nicht. Denn zusätzlich sollte die genetisch weibliche Person, mit einem Eierstock und einer Gebärmutter, einen Eisprung haben. Nur so kann es zu einer Befruchtung kommen. 

Die jetzt folgende Erklärung bezieht sich auf zwei heterosexuelle Menschen, die gemeinsam ein Baby zeugen möchten. In einer gleichgeschlechtlichen Beziehung läuft das etwas anders ab. Dazu werde ich Dir später mehr erzählen. 

Wenn Frauen ihre Periode haben, setzt sich der Körper sozusagen auf „null“. Denn die ganze Schleimhaut, die sich gebildet hat, wird vom Körper abgestoßen. Mehrere Eizellen im Körper der Frau gehen in einen „Wettkampf“. Je älter die Frau ist, desto weniger Eizellen sind es. Bei der Geburt haben Frauen Millionen von Eizellen, bis zur Geschlechtsreife sind dann noch ca. 300 000 – 400 000 Eizellen übrig. 

Im Idealfall setzt sich eine Eizelle durch und wird ca. 20 mm groß. Sie reift in einer Art Blase und während des Eisprunges steigt das LH, welches auch gemessen werden kann. Durch diesen Anstieg löst sich die Eizelle von der Wand und die Haut des Bläschens springt. Es ist ein bisschen wie eine innerliche Explosion und manche Frauen können dies durch einen Mittelschmerz sogar spüren. Dabei kommt Flüssigkeit in den Bauch hinein und dies kann zu einer Reizung führen. 

Der Eileiter legt sich wie ein Regenschirm darüber und die Eizelle springt quasi hinüber und wartet auf ihren „Partner“. Im Idealfall gelangt durch den Geschlechtsverkehr ein Samen in die Scheide der Frau und damit in die Gebärmutter. Wenn alles gut läuft, gelangt der Samen irgendwann zur Eizelle und befruchtet sie. Die Eizelle schließt sich danach wie ein Bunker ab, damit sich die beiden, Eizelle und Samen, treffen können. Das ist ein bisschen vergleichbar mit der ersten Liebesnacht, bei der sich manche Menschen regelrecht einsperren, um den Moment gemeinsam zu genießen. 

Fünf Tage nach der Befruchtung wandert die Eizelle in die Gebärmutter und wird zur Blastozyste. Dort ist schon alles vorbereitet: die Embryonalanlage und die Plazenta sind angelegt. Wie aus einem Ei schlüpft die Blastozyste aus der Hülle der Eizelle und nistet sich in die neu gewachsene Schleimhaut ein, die innerhalb von 20 Tagen wuchs, und schlägt dort ihre Wurzeln. Wenn alles gut läuft, kommt 10 Monate später das Kind zur Welt. 

Handelt es sich um eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft, so fehlt eine der Komponenten und muss künstlich hinzugeführt werden. Je nachdem wie groß diese Komponente ist, ist es dann mehr oder weniger kompliziert. Fehlt der Samen, wenden sich viele homosexuelle Frauen an einen Samenspender. Fehlen die Eizellen, kann eine Eizellenspende (dies ist in Deutschland nicht erlaubt) gemacht werden. Fehlt jedoch die Gebärmutter, ist es etwas schwieriger. Dann kommen manche Leute in die Kinderwunschklinik. Aber es gibt noch viele andere Faktoren, die Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein können. 

Die Eizelle schließt sich danach wie ein Bunker ab, damit sich die beiden, Eizelle und Samen, treffen können. Das ist ein bisschen vergleichbar mit der ersten Liebesnacht, bei der sich manche Menschen regelrecht einsperren, um den Moment gemeinsam zu genießen.

Was sind mögliche ovarielle Gründe, die eine Schwangerschaft erschweren oder verhindern können?

Wichtig ist zunächst, dass Frauen überhaupt einen Eisprung haben. Einer der Gründe, wenn dies nicht der Fall ist, beziehungsweise warum Frauen keine Regelblutung bekommen oder einen unregelmäßigen Zyklus haben, ist das PCO Syndrom. Das PCO Syndrom ist eine Hormonstörung, die Frauen haben können. Frauen mit PCO haben viele Eizellen und “horten” diese. Durch die heutige Forschung kann man jedoch ganz ohne künstliche Befruchtung nachhelfen, damit eine Eizelle springt. 

Ein weiterer Grund für das Ausbleiben der Regel kann eine Hormonstörung, wie zum Beispiel Probleme mit der Schilddrüse oder Prolaktin, sein. 

Außerdem kann eine frühere Essstörung der Auslöser für die ausbleibende Periode und die Schwierigkeiten schwanger zu werden sein. Ungefähr ein Drittel der Patientinnen, die früher an einer Essstörung litten, bekommen keine Periode, sobald sie wieder zunehmen. Die Hypophyse, das Kontrollzentrum für Hormone im Gehirn, ist sozusagen „beleidigt“ und funktioniert nicht mehr richtig, wenn jemand eine Essstörung hat. Auch zu viel Gewicht ist ein Risikofaktor. Denn jede Fettzelle produziert Hormone, welche dazu führen können, dass die jeweilige Person unfruchtbar wird. Die Empfehlung liegt bei einem gesunden BMI bis max 30. Alles darüber kann für die Geburt kritisch werden. Weiterhin wurde durch Studien bewiesen, dass auch Rauchen die Eizellreserve deutlich senkt. Man hat mit dem AmH Wert gemessen, dass die Reserve durch das Rauchen um 0,5- 1 gesenkt wird. 

Welche Krankheiten können zudem ein Faktor für die ausbleibende Schwangerschaft sein?

Für viele Frauen ist die Krankheit Endometriose eine schwere Belastung. Bei einer Endometriose kann das Gewebe, das normalerweise in der Gebärmutter wächst, überall wachsen. Es frisst sich überall rein und ist schwer wegzubekommen. Diese Zellen menstruieren quasi genauso im Bauch, der Lunge oder dem Darm,wie bei der regulären Periode. Dadurch entsteht eine Entzündung und durch diese wiederum entstehen Narben und Verklebungen. 

Wenn dies nun beispielsweise im Eierstock oder Eileiter passiert, kann dieser die Eizelle nicht mehr transportieren, da diese „stockt“. Es kann eine Eileiterschwangerschaft entstehen und die Eizelle kommt nicht mehr in die Gebärmutter. Die Schleimhaut ist nämlich nur für genau 12 Stunden aufnahmebereit.  Das Problem ist, dass Frauen entweder gar keine Symptome haben oder sie haben starke Unterbauchschmerzen und Perioden. Das einzige helfende Mittel ist in dem Fall schwanger zu werden oder die Pille im Langzeitzyklus zu nehmen. 

Eine weitere Hauptursache sind beispielsweise Chlamydien, die nicht entdeckt wurden und wodurch es zu Verwachsungen kommen kann. Dies lässt sich durch einen Ultraschall oder eine Bauchspiegelung testen, wobei geschaut wird, ob der Eileiter durchgängig ist. Es ist heutzutage immer noch nicht selbstverständlich, dass Menschen sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen lassen. Außerdem wissen viele nicht, was Geschlechtskrankheiten mit dem Kinderwunsch zu tun haben.

In der Klinik werden Paare quasi wie beim TÜV getestet, unteranderem auch auf STI (sexuelle Übertragbare Krankheiten).

Was passiert mit der Sexualität innerhalb der Beziehung?

Für die Sexualität sind die ständigen enttäuschten Versuche ein Kind zu zeugen eine enorme Belastung. Es kann einen großen Druck ausüben, wenn das Paar weiß, wann der Eisprung ist und sie wissen, dass sie genau zu diesem Zeitpunkt Geschlechtsverkehr haben „müssen“. Zudem muss die Erregung der Frau stimmen und der Mann muss eine Erektion haben. Natürlich sollte auch ein bisschen Romantik nicht fehlen. Viele sexuelle Begegnungen leben von Spontanität.  Zum Glück gibt es Wege und Mittel, sich das Ganze etwas schöner zu gestalten. 

Der Sex muss nämlich nicht unbedingt genau am Tag des Eissprungs passieren. Statistisch gesehen ist es am besten, alle 2 bis 3 Tage unabhängig vom Eisprung Sex zu haben. Auch die Erregung steigert die Chancen. Denn wenn die Frau erregt ist, verändert sich der PH Wert in der Scheide und die Spermien haben eine höhere Chance, zu überleben. Zudem wird die Gebärmutter besser durchblutet. 

Immer auf den Tag des Eisprungs zu warten bedeutet Stress und es ist schwer sich in stressigen Situationen fallen zu lassen und Lust zu empfinden. Dies muss wieder antrainiert werden. Paare haben in dieser Phase eine tolle Möglichkeit, um sich neu kennen zu lernen. Wichtig ist, dass man sich auch qualitative Paarzeit nimmt, die nichts mit dem Kinderwunsch zu tun hat, um die Erregung neu aufleben zu lassen.

Die meisten Paare, die schwanger werden wollen, sind in ihren 30ern und haben einen Job und viele andere Dinge, die ihr alltägliches Leben füllen. Und die größte Aufgabe steht ihnen hoffentlich noch bevor: ein Kind großzuziehen. Daher ist es wichtig frühzeitig in die Beziehung zu investieren.

Paare haben in dieser Phase eine tolle Möglichkeit, um sich neu kennen zu lernen. Wichtig ist, dass man sich auch qualitative Paarzeit nimmt, die nichts mit dem Kinderwunsch zu tun hat, um die Erregung neu aufleben zu lassen.

Wie hoch sind die Chancen, mit einem Kind nach Hause zu gehen, wenn man sich für die Kinderwunschklinik entscheidet?

Momentan gehen durchschnittlich ca. 30-40 % der Paare, die in die Klinik gehen, mit einem Kind nach Hause. (Baby Take Home Rate). Bei einer künstlichen Befruchtung liegt die Chance (je nach Alter der Frau und vielen anderen Faktoren) bei ca. 60-80 %, dass die Frau schwanger wird. Die Chance, dass sie mit einem Baby nach Hause geht, ist allerdings geringer. Es kommt jedoch auch auf die Klinik an und ist von Standort zu Standort unterschiedlich. 

Zum Vergleich: Wenn zwei 25-Jährige mit der besten Spermien- und Eizellenqualität einen Kinderwunsch und alle 2-3 Tage Sex haben, liegt die Chance schwanger zu werden bei ca. 25 % pro Zyklus. 

Ein entscheidender Punkt ist es dabei, nicht zu vergessen sich um die eigene Psyche und das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Denn das wirkt sich auf die Gesundheit im Allgemeinen aus.

Wie sieht ein Kinderwunschverfahren aus?

Es gibt dabei verschiedene Kaskaden. Die erste Kaskade ist der Geschlechtsverkehr zum optimalen Zeitpunkt. Der Eisprung wird ausgelöst und das Paar „plant“ mit der Klinik gemeinsam den perfekten Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr. Dies kann sich das Paar auch romantisch mit einer Flasche Wein, einem leckeren Essen oder einer Fußmassage gestalten. Denn es ist wichtig einen Kontext zu erzeugen, um auch Lust zu verspüren, damit es nicht nur um das Kinderkriegen geht. 

Die zweite Kaskade ist die Insemination (IUI), dabei gibt der Mann seinen Samen ab und die Klinik weiß genau, wann der Eisprung ist. Es werden dann besonders gute Spermien genommen und höher konzentriert. Anschließend werden diese der Frau per Spritze gegeben und mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutter transportiert. Dieses Verfahren ist nicht schmerzhaft. Ziel ist es, die Spermien näher an die Gebärmutter bzw. die Eizelle zu führen. Viele gleichgeschlechtliche Paare (Frauen) entscheiden sich unter anderem für diese Methode. 

Die dritte und nächste Stufe ist die künstliche Befruchtung. Dabei wird mit Hormonen gearbeitet, die auch von der Hypophyse produziert werden, allerdings 10-fach so hoch. Es gehen danach alle Eizellen statt nur einer in den “Wettkampf”. Mit einer Spritze wird dafür gesorgt, dass die Eier nicht springen. Anschließend wird genau das ausgelöst und die Eierstöcke in einer Narkose, 36,5 Stunden später, punktiert. 

Danach werden die Eizellen mit den Spermien des Mannes befruchtet. Der Frau geht es danach gut und sie hat keine Schmerzen. 

Es gibt zwei Varianten dieser Methode, einmal die IVF (In-vitro-Fertilisation), dabei gibt man Eizellen und Spermium zusammen und beide suchen sich ihre „Partner“. 

Die zweite Variante ist die „ICSI“, dabei suchen die Ärzte das Spermium heraus und geben es den Eizellen. 

Nach der Befruchtung braucht es ca. 5 Tage bis die Eizelle einen bestimmten Punkt erreicht. Dann kommt die Frau wieder in die Klinik und der Embryo wird mit einem dünnen Schlauch abgesetzt. Es ist wichtig, danach ein bisschen Romantik nachzuholen: Also zum Beispiel Küssen oder ein romantischer Abend, damit die Glückshormone freigesetzt werden. So ein besonderer Tag sollte schön gestaltet werden, denn schließlich beginnt hier der Weg in die Elternschaft.  

Welche Tipps gibt es für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch?

Wenn Paare mit der Kinderplanung beginnen, sollten sie sich Zeit geben und in Ruhe probieren und optimistisch sein. Paare, die schon länger vergeblich versuchen schwanger zu werden, sollten eventuelle Gründe abklären lassen. Die Kosten sind dabei unterschiedlich, je nachdem welche Klinik aufgesucht wird. Innerhalb des Erstgespräches macht der Arzt eine Art „Mini TÜV“. Der Mann sollte daraufhin ein Spermiogramm machen lassen. 

Ein weiterer Tipp ist es, dass das Paar Raum für Sexualität schafft, wo es nicht um den Kinderwunsch geht. Paare, die in die künstliche Befruchtung gehen müssen, machen oft die Erfahrung, dass Sex auf einmal mehr Spaß macht, da es nichts mehr mit dem Kinder kriegen zu tun hat. Sex kann und sollte jedoch die ganze Zeit Spaß machen, es muss nur der Raum dafür geschaffen werden. Auch wenn dies nicht immer einfach ist, gibt es Hilfe, die gesucht werden darf. Es gibt viele Psychologen und Berater, die extra auf dieses Thema geschult wurden. Kinderwunsch ist ein Thema, mit dem wir uns alle irgendwann befassen. Irgendwann muss jeder/ jede entscheiden, ob er/ sie Kinder möchte oder nicht. Auch Kinder zu haben kann eine Belastung darstellen und auch dort ist es in Ordnung sich Hilfe zu suchen. Es kann außerdem helfen, sich im engsten Kreis, mit der Schwester, der Freundin oder anderen Bekannten und Verwandten über das Thema Kinderwunsch  auszutauschen. So bekommt man vielleicht noch private Tipps, denn es gibt viele, die damit Probleme hatten, aber natürlich auch immer mal wieder diejenigen, bei denen es einfach geklappt hat. 




Ein weiterer Tipp ist es, dass das Paar Raum für Sexualität schafft, wo es nicht um den Kinderwunsch geht.

Welche Ursachen gibt es, dass ein Mann keine Kinder zeugen kann und wie kann da nachgeholfen werden?

Ein Grund kann zum Beispiel sein, dass ein Mann genetisch verursacht keine Samen produziert. Aber auch nach einer schweren Grippe kann es vorkommen, dass ein Mann bis zu 6 Monate lang keine Spermien hat. Daher ist es wichtig mehrere Spermiogramme zu machen. Denn selbst  wenn keine Spermien nachweisbar sind, können diese aus den Hoden herausgeholt werden (TESE). Das liegt daran, dass das Problem zum Beispiel ein versperrter Weg sein könnte. Hierauf werde ich in einem zukünftigen Blogartikel noch weiter eingehen. Einige unterstützende und schädliche Faktoren habe ich in meinen Kinderwunsch Guide für Dich zusammengestellt.

 

Oft fühlen sich die Partner*innen der Person, die schwanger wird bzw. werden möchte, in dieser Situation sehr hilflos. Ein Tipp wäre zu schauen, wie sie die Person unterstützen können. Zum Beispiel eine interessante Zeitung oder ein Magazin für den Arztbesuch einpacken oder zu Hause mit einem leckeren Essen überraschen. Auch ein guter Film oder Theaterkarten wären eine Idee. Irgendetwas, das bei der Ablenkung hilft, denn den Kopf frei zu kriegen und sich wohlzufühlen helfen sehr viel. Am besten ist es natürlich einfach offen und ehrlich zu sein und die Frage zu stellen: „Wie kann ich helfen?“. 

 

Du möchtest noch mehr hören, worüber ich berichtet habe? Dann höre Dir den Podcast zum (unerfüllten) Kinderwunsch bei Sexologisch an. Hier geht’s zur ganzen Folge.

 

Zu Gast bei Sexologisch

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