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Was sind eigentlich Orgasmusstörungen bzw. Störungen des Orgasmus?

In der Sexualmedizin findet man diverse Einteilungen, diese werden unteranderem nach einem internationalen Klassifikationssystem für Diagnosen weltweit (ICD10 – ab 2/2022 soll ein neues kommen ICD11) eingeteilt.

Aber was ist nun eigentlich eine Störung des Orgasmus? Und wer legt fest, dass es eine Störung ist?

Die zweite Frage ist leichter zu beantworten, eine Störung liegt immer nur dann vor, wenn ein Leidensdruck vorhanden ist. Wenn niemand unter dem fehlen oder verzögerten oder frühzeitigen Orgasmus leidet, liegt auch keine Störung vor.

Die Störung bei Mann und Frau unterscheiden sich dadurch, dass beim Mann vorwiegend der Zeitpunkt des Orgasmus und bei der Frau, die schwere Erreichbarkeit beziehungsweise sein Fehlen betreffen. Hier wird unterschieden zwischen dem vorzeitiger, verzögert und ausbleibender Orgasmus.

Dies Störung des Orgasmus kann situativ ( also situationsabhängig ) oder generalisiert ( bei jeder sexuellen Begegnung ) vorkommen und die Schwierigkeit beim Orgasmus kann schon immer vorhanden oder neu aufgetreten sein.

Orgasmusstörung beim Mann

Der vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox, EP, vorzeitige Ejakulation) wird oft mit der Orgasmusstörung beim Mann gleichgesetzt.

Beim vorzeitigem Samenerguss handelt es sich um ein wiederkehrendes Auftreten des Orgasmus/Samenergusses vor oder unmittelbar nach Penetration, wobei der Betreffende nahezu keine Kontrolle darüber hat und der Orgasmus als unbefriedigt empfunden wird.

Dies wird oft als sehr leidvoll von den betroffenen Männer empfunden, jedoch ist es erst eine Störung, wenn der jeweilige Mann dadrunter leidet. Der Leidensdruck beim vorzeitigen Samenerguss kann sehr unterschiedlich sein.

Generell sprechen wir Mediziner von einem vorzeitigen Ejakulation, wenn diese vor oder innerhalb 1 Minute nach Eindringen in zum Beispiel die Scheide geschieht. Dieser Samenerguss kann nicht kontrolliert werden und wird oft mit Verzweiflung, Ärger und Frustration verknüpft. Dies führt in einigen Fällen dazu, dass sexuelle Intimität mit einem Partner|in gänzlich vermieden werden.

Studien haben gezeigt, dass jeder dritte bis vierte Mann sich eine bessere Kontrolle über den Erregungsablauf und Ejakulationszeitpunkt wünscht. Haben diese Männer nun alle eine Orgasmusstörung? NEIN!

Wie oben erwähnt ist eine Therapie oder Behandlung nur notwendig wenn eine Leidensdruck vorliegt. Im ersten Schritt sollte auf jeden Fall ein Urologe aufgesucht werden, um eine organische Ursache auszuschließen, erst danach ist es sinnvoll andere Abklärungen zu unternehmen. Besonders wenn es sich um eine neu aufgetretenes Symptom handelt.

Ursachen für einen vorzeitigen Samenerguss:

  1. somatische – organische Ursachen haben zum Beispiel das Vorliegen eines Frenulum breve (Verkürzung des Vorhautbändchens) oder einer Balinitis (eine Entzündung im Bereich der Eichel)
  2. psychosoziale Gründe – zum Beispiel Ängste, Unsicherheiten, Leistungsdruck, Versagensängste, partnerschaftliche Konflikte

Therapiemöglichkeiten:

  1. Lokale Therapie mit Cremes, welche ein lokales Anästhetikum enthalten und auf die Eichel des Penis geschmiert werden. Die Theorie dahinter ist, dass sie Stimulationsintensitiät dadurch vermindert wird und der Zeit bis zum Samenerguss heraus gezögert wird. Wenn man dies versuchen möchte, sollte man die Creme in ein Kondom tun, damit die Partner|in nicht ebenfalls eine “Betäubung” erhalten. Hier gibt es eine ganze Menge unterschiedlicher Präparate auf dem Markt.

    Bei einer orale Therapie kommen Medikamente zum Einsatz, die als Nebenwirkung eine verlängerte Ejakulationszeit haben hierzu gehören einige Antidepressiva. Hier empfehle ich genauere Auskunft beim Urologen oder beim Sexualmediziner einzuholen, diese Behandlung sollte sehr individuell und immer in Absprache mit einem Arzt geschehen.

    Auch im Rahmen einer Sexualtherapie / Paartherapie kann geholfen werden – hier wird erstmals geschaut, welche Bedeutung hat der Samenerguss für den Orgasmus sowie Sexualität hat und wie hoch der Leidensdruck wirklich ist. Aber auch hier gibt es viele Möglichkeiten an Übungen im Bereich des Sensualitätsfokuses oder über die Stopp-Start-Technik über Übungen für die Atmung und Muskelspannung.

Manuelle Techniken:

Start-Stopp-Technik

Der Penis wird stimuliert bis knapp vor dem Samenerguss – dann wird die Stimulierung unterbrochen. Nach dem Nachlassen der Erregung wird erneut begonnen.

Squeeze-Technik

Hier wird die Penetration oder Stimulation ebenfalls kurz vor dem Höhepunkt unterbrochen und durch einen Druck mit dem Daumen auf die Glansbasis des Penis (hierbei handelt es sich um den Bereich der Eichel bzw. Vorderhautbändchen) und versucht, die Blutfülle im Corpus cavernosum (Penisschwellkörper) zu verringern. Hierdurch wird theoretisch die Ejakulation hinauszuzögern.

Im Teil 2 kommende Woche geht es um die Orgasmusstörung bei der Frau und gehe auf die sexuelle Unlust und Anorgasmie ein.

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